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Partnerbetriebe

Partnerbetriebe Informationen über alle Strategischen Partnerschaften und Joint Ventures (gemeinsamer Betrieb) bei Opel in Bochum
Stand 11.09.09

Vorbemerkung:
Bis vor rund 10 Jahren war es bei Opel in Bochum, so wie überall in der Republik bei den meisten anderen Betrieben, üblich, das Gros des Personalabbaus über Auslagerungen von ganzen Betriebsteilen und Abteilungen zu regeln. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die komplette Sitzfertigung/Polsterei, welche Ende der 80 Jahre an Jonson Controls gegangen. Rund 600 Arbeitsplätze sind auf einen Im Hintergrund schwang immer die Management Philosophie der „schlanken Fabrik“ mit. Oberstes Ziel dieser Strategie ist es mit möglichst wenig Menschen möglichst viele Autos zu bauen. Kahlschlag auf das reine Kerngeschäft war das Mittel zur Zielerreichung.

Mit den Vereinbarungen zu den „strategischen Partnerschaften“ und Joint Ventures ist es dem Betriebsrat gelungen der unternehmerischen Strategie der „Kopfzahlreduzierung“ abzuwandeln und für sich selber das Kerngeschäft neu zu definieren. Viele Arbeitsplätze konnten in Bochum – im Werk gehalten bzw. gerettet werden. Den Betriebsübergang haben die Beschäftigten der betroffenen Bereiche aufgrund der guten Absicherungen freiwillig mitgemacht.

Heute ist der Bochumer Opel Betriebsrat für insgesamt 7 Unternehmungen (Opel, Powertrain, Cat-Logistics, SCB, TCM, AFG, RAG-Bildung Opel) und deren mehr als 6.000 Beschäftigten zuständig.

Powertrain:
Einer der ersten Bereiche, welcher durch Auslagerung aus der damaligen Adam Opel AG erhalten bleiben konnte, war die Bochumer Getriebefertigung. Nach einem Drei-Tage-Streik der Belegschaft in Bochum konnte der gemeinsame Betrieb erreicht werden. Die betroffenen Beschäftigten sind den verbliebenen OpelanerInnen zu 100% gleichgestellt worden. Das Joint Venture (gemeinsamer Betrieb) Powertrain Bochum wurde im Juli 2000 gegründet. Bereits damals konnte der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zum 31.12.2010 ausgehandelt werden.

Am ersten Oktober 2009 endet die Geschichte von Powertrain. Dann findet die Reintegration Powertrain GmbH Deutschland mit den lokalen Standorten in Bochum und Rüsselsheim in die Adam Opel GmbH statt.

Strategische Partnerschaften CAT, SCB und AFG
Im Oktober 2004 wurde seitens des Managements angekündigt, dass der Bochumer Opel-Standort akut von einer Schließung bedroht ist. Aufgrund dieser Ankündigung hat die Belegschaft sich zu den so genannten sieben „Informationstagen“ zusammengefunden. Gleichzeitig haben Verhandlungen auf GBR-Ebene zu dem „Zukunftsvertrag 2010“ stattgefunden. Diesem Vertrag hat die Belegschaft via Abstimmung im März 2005 die Zustimmung erteilt.

Neben vielen schmerzhaften Einschnitten für die Belegschaft (u.a. stufenweise Anpassung Entgelt an Tarif, Arbeitszeitflexibilisierung), sind in diesen Betriebsvereinbarungen drei Bereiche für Auslagerungen festgelegt worden. Es handelte sich um den Werksteil III (Lager, Teile und Zubehör), Business Mall I und die Fahrzeugverladung (OTD). Des Weiteren schützte der Vertrag vor weiteren Auslagerungen ohne Zustimmung des Betriebsrates bis Ende 2007. Diese Position wurde in einem gerichtlichen Vergleich für den Bochumer Standort bestätigt. Aufgrund der relativ starken Verhandlungsposition konnten folgende Kernelemente für die Bildung von „Strategischen Partnerschaften“ festgelegt werden:


Betriebsrat ist an der Auswahl der Partnerbetriebe aktiv beteiligtDie jeweilige Laufzeit der Betriebsvereinbarung für den Betriebsübergang beträgt 10 Jahre. Es besteht im Falle eines Scheiterns der „Strategischen Partnerschaft“ Rückkehrrecht für die Laufzeit der Betriebsvereinbarung zur Adam Opel GmbH
Alle zum Zeitpunkt des Übergangs geltenden Rechte und Pflichten werden Bestandteil des individuellen Arbeitsvertrages und dürfen für 10 Jahre nicht verschlechtert werden (BGB 613a: nur 1 Jahr), gilt für alle Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge, Kauf und Leasing, BAV...
Betriebsrat und Schwerbehinderten-Vertretung von Opel sind mindestens bis 2014 zuständig. Es besteht aktives und passives Wahlrecht.
Die IGM-Bezirksleitung und IGM Bochum hat alle Betriebsvereinbarungen geprüft und war beratend an der Seite des Betriebsrat


Alle in Bochum ausgehandelten Verträge sind im Einklang mit den europäischen Rahmenverträgen und dem Zukunftsvertrag Anlage 6 (Rahmenvereinbarungen zu Partnerschaften / Auslagerungen).

Durch die vereinbarten Betriebsübergänge und strategischen Partnerschaften konnten in Bochum bis heute mehr als 1.100 direkt bedrohte Arbeitsplätze erhalten und in einigen Bereichen sogar Neueinstellungen unter IG Metall-Tarifbedingungen erreicht werden.

Bei den Bewerbungskriterien um den neuen Astra werden die Strategien von General Motors deutlich. Es wird eine Fertigungszeit von ca. 15 Stunden pro Fahrzeug angestrebt. Dies soll über eine verringerte Fertigungstiefe (u.a. Auslagerungen, Modulbauweise) erreicht werden.

Da der Betriebsrat General Motors oder Opel nicht vorschreiben kann, wie und wo die Fahrzeuge gebaut werden, muss der Betriebsrat sich den Strategien anpassen und im Rahmen seiner Möglichkeiten alles zum Erhalt der Beschäftigung an diesem Standort unternehmen. Natürlich kann der Betriebsrat sich den Betriebsübergängen verweigern. Das hätte jedoch zur Folge, dass die Arbeit trotzdem „fremd“ vergeben würde. Aber dann zu Konditionen, welche nicht mehr beeinflusst werden können und an Orten fern von diesem Standort (GM Strategie „Global Sourcing“).

Die Bildung von Strategischen Partnerschaften ist ein Baustein, um mit langfristige Vertragsbindungen und Absicherungen für die übergegangenen Beschäftigten den Standort vor einer Schließung oder einem langsamen Ausbluten (bspw. VW Brüssel) zu schützen.

Der Standort Bochum soll außerdem über die Ansiedlung von Systemlieferanten und Servicebetrieben gestärkt werden. Langfristig will dieser Betriebsrat die Entstehung eines Automobilcluster „Bochum / Ruhr“ erreichen.

In diesem Zusammenhang sind auch sämtliche Initiativen des Betriebsrates gemeinsam mit der IG Metall, der NRW-Landesregierung, der Stadt Bochum und der Ruhr-Universität den Bochumer Opel Standort zum Kompetenzzentrum von Elektromobilität zu machen und die Fertigung des neuen Opel Ampera in Bochum zu etablieren.

Die Erfahrungen bei der Zusammenarbeit des Opel-Betriebsrates mit den Partnerbetrieben sind überwiegend positiv.
Der Betriebsrat bekommt in diesen Fällen sogar eine ganz neue Rolle zugeschrieben. Für die Partnerbetriebe ist er ein „Sicherungselement“ für die Erfüllung der Verträge zwischen Opel und Partner.

Ferner ist er ein aktiver Mitspieler bei dem Thema lokaler Ansiedlungs- und Wirtschaftspolitik geworden und längst nicht passiver Zuschauer beim Arbeitsplatzkahlschlag geblieben.



Kurz und Knapp: Partnerbetriebe und gemeinsame Betriebe :

Powertrain:

(Getriebefertigung Werksteil II, Juli 2009 bis Oktober 2009)

Cat-Logistics:
(Lager zum 1. Februar 2006): Bochum ist europäisches Zentrallager
aktuell 480 MA, zusammen mit der IG Metall soll für diesen Bereich ein Haustarifvertrag ausgehandelt werden.

SCB:
(Business Mall I - Sequenzierarbeiten und Anlieferung an Linie zum 01.Februar 2006 und Business Mall II – Cockpitfertigung, Kühlervormontage, PCI-Band, Logistiktätigkeiten im D28 zum 1. November 2007) aktuell 180 MA, davon viele „Leistungsgewandelte“ bzw. „Menschen mit anderer Gesundheit“

TCM:
(Werkzeugbau und Toolmanagement zum 01. Juli 2006; maschinentechnischer Bereich, Stahlsägerei und Zentrale Werkstätten zum 17.12.2007): 15 Neueinstellungen auf IGM Tarifbasis, aktuell 146 MA, Insourcing: Arbeiten aus Polen nach Bochum geholt

AFG:
(Fahrzeugverladung, 01.01.2007): 5 Neueinstellungen, aktuell 66 MA

RAG-Bildung:
(Ausbildungswerkstatt, Ausbildungs- und Trainingscenter) aktuell 263 Auszubildende und Ausbilder, 75 neue Auszubildende pro Jahr