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Der Fall Opel - Die Chronik

Die Schließung des Opel-Werkes Bochum

"Spaltung der Opel-Belegschaften gelungen!"

Der Fall Opel-Bochum

Im Dezember 2014 wurde das Bochumer Opel-Werk geschlossen. Länger als zehn Jahre haben die Bochumer Belegschaft, Betriebsrat, Gewerkschaften und die ganze Region gegen die Schließung gekämpft. Eine Chronik der Verhandlungen, des Widerstandes, Hoffnungen, Spaltung, großartiger Solidarität und den Leistungen einer stolzen Bochumer Belegschaft.

"Opel hat sein Herz und seine Seele verloren"

Bochumer Opelarbeiter am 12. Dezember 2014

1962 wird der erste Opel im Bochumer Werk gebaut. Das Bochumer Werk entwickelt sich schnell zu einem der wichtigsten Opel-Standorte. Opel-Bochum wird das Herz und die Seele von Opel, weltweit bekannt als wichtigster Kadett-, ASTRA- und Zafira-Standort. Zeitweise arbeiten über 22.000 Menschen in diesem Werk. Weitere Zehntausende sind in der Region bei Zulieferern und Dienstleistern beschäftigt. Gebaut werden Fahrzeuge sowie Getriebe, Motoren und Achsen für ganz Europa.

Belegschaften bluten

Zwischen 2007 und 2011 werden Opel-Werke in Portugal, Belgien, England und Schweden geschlossen oder verkauft. Die Belegschaften in Europa müssen schwer für Fehlplanungen und Managementfehler (u.a. López) bluten. 2011/2012 braucht Opel wieder Geld zum Überleben. Der Opel-Mutterkonzern General Motors verlangt als Gegenleistung für einen Kredit eine Werksschließung. Es folgt ein Musterbeispiel, wie die europäischen Opel-Werke und Belegschaften gegeneinander ausgespielt werden.

"Opel ist die Spaltung des europäischen Betriebsrates gelungen"

John Fetherston, stellv. Vorsitzender des Euro-Betriebsrates, Okt. 2013

Opel-Vorstand und Aufsichtsrat entscheiden, dass zukünftig der Astra in England und Polen gebaut wird, das Werk Eisenach bekommt ein neues Fahrzeug, das Rüsselsheimer Werk soll die Bochumer Produktion erhalten. Bochum muss geschlossen werden, sonst gibt es kein Geld von GM.


Kurz und knapp:

Manipulationen

Die Schließung von Opel-Bochum ist eine politische Entscheidung. Werksvergleiche wurden nachweisbar zum Nachteil des Bochumer Werkes durchgeführt. Bochum hatte eine hohe Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit, beweisen Studien.

Teuerste Werksschließung

Die Schließung von Bochum ist die teuerste Werkschließung für GM und Opel. Die Kosten werden mindestens 700 Millionen Euro betragen.

Falsche Versprechen

Behauptet wurde, die Belegschaft habe abgelehnt, dass bis 2016 in Bochum Autos produziert werden. Das ist falsch. Für diese befristete Lebenszeit gab es niemals eine verbindliche Zusage.

Klage zulässig

Am Landgericht Darmstadt wird gegen den Beschluss des Aufsichtsrates geklagt. Das Landgericht hat die Klage zugelassen.


2000

"Eine Belegschaft!"

Mai: GM will die Motoren- und Getriebewerke mit dem Autokonzern Fiat verschmelzen. Es droht die Zerschlagung aller deutschen Opel-Werke. Im Bochumer Opel-Werk beginnen die „Informationsrunden“. Die Belegschaft fordert während der Arbeitszeit ihr gesetzliches Recht auf Information ein. Nach drei Tagen akzeptieren GM, Opel und Fiat die Forderungen der Bochumer Opelaner: Keine Kündigungen, Erhalt der sozialen Standards, gemeinsame Interessenvertretung. Dieser Schutz gilt für alle 4.000 Beschäftigte der deutschen Opel-Powertrain-Werke.


2003 - 2004

Bündnis Ruhr-Uni und Betriebsrat

Unter Federführung der Ruhr-Universität Bochum beginnen mit dem Bochumer Opel-Betriebsrat und dem Opel-Management gemeinsame Workshops. Es werden viele Ideen zur Schaffung neuer alternativer Arbeitsplätze und Beschäftigungsfelder entwickelt. Alle Ideen werden von Opel blockiert.


2004

Motorenproduktion nach Ungarn

April: Die Bochumer Motorenproduktion wird trotz Benchmark in Qualität und Ausbringung nach Ungarn verlagert.

7 Tage "Streik" und europäischer Aktionstag

Oktober: General Motors legt einen Sanierungsplan für die europäischen Opel-Werke vor. 9.500 Arbeitsplätze sollen in Europa vernichtet werden. Der Opel-Vorstand verkündet die mögliche Schließung von Opel-Bochum und anderer Werke. Die Bochumer Belegschaft nutzt erneut ihr gesetzliches Informationsrecht nach Betriebsverfassungsgesetz. Die Informationstage dauern eine Woche. Die Produktion ruht während dieser Zeit. Gleichzeitig beschließt der europäische Betriebsrat einen europäischen Aktionstag. In Bochum findet dazu am 19. Oktober die größte Demonstration mit 20.000 Menschen statt.


2005

Das Solidaritätsversprechen

Januar: Beginn der Verhandlungen über die Zukunft der Opel-Werke. Betriebsräte und Gewerkschaften der Opel-Standorte Antwerpen (Belgien), Trollhättan (Schweden), Gliwice (Polen), Ellesmere-Port (England) und Bochum geben sich ein Solidaritätsversprechen. Ein Ausspielen der Standorte soll verhindert werden: „To share the pain – Teile das Leid“

Zafira-Produktion im Irak-Krieg

März: Als Kompensation des Kaufes von F16 Kampfflugzeugen durch die polnische Regierung und Entsendung polnischer Soldaten in den Irakkrieg (Quelle: ARD Monitorsendung) wird der Bochumer Zafira auch in Gliwice produziert.


2006 - 2008

Eine Zeit ständiger Verhandlungen der lokalen Betriebsräte, Gesamtbetriebsrat und Europäischer Betriebsrat mit Opel und GM über die Zukunft der Werke.

Partnerschaften zur Standortsicherung

Opel plant massive Auslagerungen, zum Beispiel Ersatzteillager, Berufsausbildung, Logistik und Werkzeugbau. Zwischen 2006 und 2007 erreicht der Bochumer Betriebsrat, dass über 1.300 betroffene Opel-Beschäftigte bei Auslagerungen ihren Arbeitsplatz behalten und mindestens für 10 Jahre alle vereinbarten Leistungen (Entlohnung, Kündigungsschutz, Arbeitsbedingungen) behalten. Beim Scheitern der Partnerschaft gilt für die Beschäftigten ein Rückkehrrecht nach Opel. Für alle Partnerbetriebe bleibt der Bochumer Betriebsrat zuständig. Diese Regelung ist einmalig.

Vertragsbruch! Astra nach Rüsselsheim

Mai: Die europäischen Betriebsräte und Opel vereinbaren im „Delta-Vertrag“, dass Opel-Bochum als einziger deutscher Standort den neuen Astra und den Zafira bauen soll. Das Opel-Werk Antwerpen bekommt die Zusage über ein neues Fahrzeug. Direkt nach Vertragsunterzeichnung verkündet Opel, dass auch Opel-Rüsselsheim den Astra bauen wird. „Zwei Astra-Werke in einem Land geht nicht. Mit der Produktion des Astra in Rüsselsheim kommt Bochum erneut auf die Schließungsliste“, bestätigt Klaus Franz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates.


2009

"Rettungspläne"

Februar / März: General Motors ist bankrott. Anfang März legt Opel der Bundesregierung einen sogenannten „Rettungsplan“ vor: Zur Rettung von Opel sollen die Werke Antwerpen, Bochum und Eisenach geschlossen werden. Die Landesregierung NRW verlangt den Erhalt des Werkes Bochum. Der Opel-Aufsichtsrat soll der Schließung zustimmen. Nach heftigem Druck der Bochumer Aufsichtsratsmitglieder Einenkel und Bresser wird der Plan zurückgenommen. Das Management erklärt später: „Sorry, der Plan war ein Versehen!“

Bürgschaft rettet Opel

April / Mai: In Gesprächen des IGM-Bezirksleiters und des Bochumer Betriebsrates mit dem NRW-Ministerpräsidenten wird erreicht, dass die Landesregierung ihre Bereitschaft für eine Bürgschaft zur Rettung von Opel erklärt. Im Mai stellt GM alle Zahlungen für Opel ein. Damit ist Opel pleite. Bundesregierung und Landesregierungen gewähren zur Rettung von Opel einen Überbrückungskredit von 1,5 Mrd. Euro.

Insolvenz der Opel-Mutter

Juni: Am 1. Juni meldet GM Insolvenz an. Der Konzern wird mehrheitlich durch die amerikanische Regierung übernommen. Weltweit sollen 35.000 Arbeitsplätze vernichtet werden. In den USA schließt GM 17 Werke. GM will Opel verkaufen. Es finden Gespräche mit Investoren über den Verkauf von Opel statt.

Bochumer Produktion nach Antwerpen?

September: Mitglieder des Euro-Betriebsrates entwickeln Pläne, Teile der Bochumer Produktion nach Antwerpen zu verlagern. Diese Pläne bedeuten mittelfristig die Schließung von Bochum. Die Verlagerung wird verhindert.

Verkauf von Opel gestoppt

November: GM stoppt den Verkauf von Opel. Der bereits vorliegende Kaufvertrag mit dem österreichischen Komponentenhersteller Magna wird von GM zurückgenommen. GM zahlt den staatlichen Kredit zurück. Bund und Ländern verdienen fast 10% an den Zinsen. Solidaritätsveranstaltung im Bochumer Werk mit Ministerpräsident Rüttgers, IGM-Bezirksleiter Burkhardt, OB Scholz und die Parlamentarier der Linken, SPD, CDU, Grüne.


2010

Geschafft! Zafira für Bochum

Januar - Mai: GM kündigt für die europäischen Werke den weiteren Abbau von 9.000 Arbeitsplätzen an. Nach monatelangen Verhandlungen wird im europäischen „Master-Agreement“ vereinbart, dass Bochum die Zusage über einen Dreischicht-Betrieb und die exklusive Produktion für beide Zafira-Modelle erhält. Bis Ende 2014 gilt ein Kündigungsschutz. Die Verlagerung der Bochumer Getriebeproduktion kann gestoppt werden.

Vorstand verhindert weitere Verhandlungen

August: Neue Schließungspläne werden bekannt. Der Betriebsrat legt einen 11-Punkte-Katalog zur Standort- und Beschäftigungssicherung vor. Die Bochumer Unternehmensleitung will darüber verhandeln, aber der Rüsselsheimer Opel-Vorstand blockt ab.

Vertragsbruch! Antwerpen wird geschlossen!

Dezember: Der Opel-Vorstand entscheidet, dass das für Antwerpen vereinbarte Fahrzeug nun in Korea gebaut werden soll. Es ist der Mokka. Das Werk Antwerpen wird geschlossen. 2.000 Menschen bei Opel und tausende Beschäftigte in Zulieferbetrieben werden arbeitslos. Betriebsrat und belgische Gewerkschaften verklagen Opel und GM wegen diesem Vertragsbruch, aber ohne Erfolg.


2011

Während des gesamten Jahres droht das Unternehmen mit weiteren Werksschließungen. Genannt werden immer wieder die Werke Ellesmere-Port, Eisenach und Bochum.

Studie beweist: Opel-Bochum absolut Spitze

Juni: Eine vom Institut für Kraftfahrzeuge der RWTH Aachen, der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen Aachen und der Stadt Bochum erstellte Studie kommt zu folgenden Ergebnissen:

1. Die zahlreichen Zukunftsverträge, verbunden mit einer Reduzierung von Arbeitsplätzen haben letztendlich zur Beschäftigungssicherung und Erhalt des Standortes Opel-Bochum beigetragen.

2. Im Wettbewerbsvergleich mit allen europäischen Montagewerken weist Opel in Bochum eine hohe Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit auf.

Betriebsrat stoppt Kündigungen

August: In Bochum werden 89 Kündigungen ausgesprochen. Der Betriebsrat widerspricht und erreicht am Arbeitsgericht die Rücknahme der Kündigungen. Unterstützt wird der Betriebsrat von Rechtsanwalt Dr. Frank Lorenz. Er wird den Betriebsrat zukünftig bei allen weiteren Verhandlungen beraten.

„Letzte Verwarnung“ für Einenkel

Dezember: Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende und Aufsichtsrat Einenkel wird vom Aufsichtsratsvorsitzenden und Opel-Vorstand schriftlich verwarnt und juristische Schritte angedroht. Sein "Vergehen": Er hatte die Belegschaft wiederholt über die drohende Schließung des Werkes informiert. Man macht ein großzügiges Austrittsangebot. Einenkel lehnt ab.


2012

Vorstand verspricht Rüsselsheim den Zafira

Januar: Dr. Schäfer-Klug wird neuer Rüsselsheimer Betriebsratsvorsitzender, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates und des Euro-Betriebsrates. Der Opel-Vorstand teilt dem Rüsselsheimer Betriebsrat mit, dass die Bochumer Fahrzeugproduktion ab 2015 nach Rüsselsheim kommt und Bochum Ende 2014 geschlossen werden muss.

Bruch der Opel-Solidarität

März: Alle europäischen Opel-Betriebsräte und Gewerkschaften unterschreiben einen gemeinsamen Appell, keine separaten Verhandlungen zu führen. Kurz danach wird öffentlich, dass die englischen Gewerkschaften und der Betriebsrat des Werkes Ellesmere-Port heimlich mit GM und Opel einen langjährigen Lohnverzicht und weitere Zugeständnisse ausgehandelt haben. Als „Belohnung“ soll Ellesmere-Port den Astra bekommen.

Werksvergleich manipuliert

April: Der Opel-Vorstand erstellt einen vertraulichen Kosten- und Werksvergleich über die europäischen Opel-Werke: Bochum ist angeblich zu teuer! Der Bochumer Betriebsrat kann nachweisen, dass diese Studie manipuliert wurde.

"Nackte Erpressung"

Mai: Das englische Werk Ellesmere-Port bekommt offiziell den Zuschlag für den Astra. Bochum und Rüsselsheim, die sich auch um den Astra beworben haben, gehen leer aus. Der hessische IGM-Bezirksleiter Schild erklärt, die separaten Verhandlungen der britischen Beschäftigten seien das Ergebnis der "nackten Erpressung". Der Opel-Mutterkonzern General Motors versuche, "die Belegschaften gegeneinander auszuspielen." Rüsselsheim soll als Ersatz den Bochumer Zafira erhalten. Der Opel-Vorstand erklärt: „Für Bochum haben wir nichts!“

Opel-Bochum wird "Chefsache"

Mai: In einer Belegschaftsversammlung am 21. Mai in bekundet die NRW Ministerpräsidentin H. Kraft vor 5.000 Opelaner ihre Solidarität mit der Bochumer Belegschaft. „Opel-Bochum wird Chefsache“, erklärt die Ministerpräsidentin.

Schließung ein Missverständnis?!

Juni: In einer Presse-Erklärung des Aufsichtsratsvorsitzenden Girsky, dem IGM-Vorsitzenden Huber und dem GBR-Vorsitzenden Dr. Schäfer-Klug wird die Schließung von Bochum angekündigt. Dr. Schäfer-Klug bezeichnet die Erklärung anschließend als „Missverständnis und Kommunikationsfehler“.

Opel-Chef Stracke muss gehen!

Juni: Opel-Chef Stracke verspricht eine ernsthafte Prüfung des Kosten- und Werksvergleichs. Aber dazu kommt es nicht mehr, denn kurz danach wird Stracke von GM gekündigt.

Künstler-Solidarität

Juli: Die Künstler des Schauspielhauses Bochum organisieren eine große Solidaritätsaktion mit namhaften Künstlern. Tausende Bochumer zeigen am Schauspielhaus ihre Solidarität.

"Eisenach erhalten und Bochum opfern!"

August: Der Pressesprecher von GM verkündet, die IG Metall habe die Schließung von Opel-Bochum akzeptiert und dafür soll Eisenach ein neues Fahrzeug erhalten. Die Bochumer Belegschaft wartet vergeblich auf ein Dementi der IG Metall und der anderen Betriebsräte.

Tarifverhandlungen gestartet...

September: Die Tarifverhandlungen zur Zukunft der Opel-Werke beginnen. Die Bochumer Betriebsräte Einenkel, Yaman, Gabriel, Müller und Grützner werden einstimmig als Mitglieder der Tarifkommission gewählt. Inzwischen liegt bereits der 7. Schließungsplan vor.

Opel-Chef mit 70 Bodyguards

Dezember: Der kommissarische Opel-Vorstandsvorsitzende Sedran kommt mit 70 Bodyguards nach Bochum und verkündet in der Belegschaftsversammlung die Schließung des Bochumer Werkes. "Die Schließung ist notwendig zur Rettung von Opel." Nach 7 Minuten ist Sedran wieder verschwunden. Zeitungen beschreiben diesen Auftritt als „armselig!“ Opel-Chef Sedran wird wegen seines Verhaltens mit dem Geierorden "ausgezeichnet". Er nimmt den Orden nicht an.

Jubiläumsfeier abgesagt

Dezember: Die geplante zentrale Feier zum 50. jährigen Jubilä-um des Bochumer-Opelwerkes wird vom Opel-Vorstand abgesagt: „Für Bochum geben wir kein Geld mehr aus!“


2013

IG Metall: „Opel ist pleite…“

Januar: Die IG Metall erklärt, dass Opel pleite ist. Zum Überleben von Opel soll ein Werk geschlossen werden, sonst gibt es kein Geld von GM. Der Aufsichtsratsvorsitzende Girsky verkündet in einer Presseerklärung die Beendigung der Bochumer Fahrzeugproduktion für Ende 2014.

Solidarität entfällt wegen Sonnenschein

Januar: Eine Solidaritätsdemonstration Rüsselsheimer Gewerkschafter und Betriebsräte in Bochum fällt wegen schlechtem Wetter aus. In Bochum scheint die Sonne.

Tarifkommission akzeptiert Bochum-Aus

Januar: Die IG Metall-Tarifkommission mit Vertretern aus allen deutschen Opel-Werken beschließt gegen die Stimmen der Bochumer die Beendigung der Fahrzeugproduktion für Bochum. Ein einziger Betriebsrat aus dem Opel-Werk Eisenach unterstützt die Bochumer. Die Bochumer Beschäftigten, 87 % sind Mitglieder der IG Metall, sind über diese Entscheidung der anderen Opel-Standorte enttäuscht und entsetzt.

Bochum lehnt „Opel-Drive 2022" ab

Februar: Am 28.02. sollen die Opel-Betriebsratsvorsitzenden in dem sogenannten Deutschlandvertrag „Opel-Drive 2022!“ der Abwicklung von Opel-Bochum zustimmen. Alle anderen Opel-Werke bekommen umfangreiche und langfristige Produktionszusagen. Bevor der Vertrag den Betriebsräten vorliegt, verbreitet der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates bereits über eine Nachrichtenagentur, dass es an diesem Vertrag nichts mehr zu verhandeln gibt. Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Einenkel stimmt als einziger diesem Vertrag nicht zu.

20.000 solidarisch mit Opel-Bochum

März: Der 3. März ist der „Tag der Solidarität“. In der Bochumer Innenstadt findet gemeinsam mit den Künstlern des Schauspielhauses Bochum, IG Metall und weiteren Gewerkschaften, Stadt Bochum, IHK, lokalen Unternehmen, Kirchen und vielen weiteren Unterstützern ein Solidaritätsfest statt. Die Polizei zählt über 20.000 Besucher. Es ist die größte Solidaritätsveranstaltung, die es bisher im Ruhrgebiet gab.

Tarifvertrag als Mogelpackung

März: In einer Belegschaftsversammlung legt die IG Metall einen Tarifvertrag vor, der weitgehend identisch ist mit dem abgelehnten Deutschlandvertrag "Opel-Drive 2022!". Die Belegschaft soll darüber abstimmen.

Während alle anderen Opel-Werke langfristige Zusagen bekommen, soll die Bochumer Belegschaft der eigenen Werksschließung zustimmen. Eine Auslauf-Produktion soll eventuell bis 2016 erhalten bleiben. Das Unternehmen darf sofort betriebsbedingt kündigen. Es gibt keine einzige verbindliche und einklagbare Zusage für die Auslauf-Produktion, für Ersatzarbeitsplätze oder Austrittsprogramme. Opel darf jederzeit und einseitig aus dem Vertrag aussteigen. Tarifexperten bezeichnen diese Ausstiegsklausel als absurd und einmalig in der Tarifpolitik.

Opel-Vorstand kompromisslos

März: Am Vorabend der Abstimmung kommt es zu einem Treffen des neuen Vorstandsvorsitzenden Neumann mit dem Bochumer Betriebsratsvorsitzenden Einenkel und IGM-Bezirksleiter Giesler. „Am Tarifvertrag und an der Ausstiegsklausel wird keine Kommastelle geändert“, erklärt der Opel-Vorstand.

76% der Bochumer kein Bauernopfer

März: Die Belegschaft verlangt verbindliche Zusagen, Perspektiven, faire Verhandlungen und vor allem die Streichung der Ausstiegsklausel. Die Bochumer Belegschaft will nicht das Bauernopfer sein, damit die anderen Werke überleben dürfen. Die IG Metall-NRW gibt keine Empfehlung zur Abstimmung. In der geheimen Abstimmung lehnen 76 % der Bochumer Opel-Belegschaft den vorgelegten Tarifvertrag ab. Die IG Metall erklärt: „Mit diesem Vertrag sollte die Bochumer Belegschaft der Werkschließung zustimmen!“

Aufsichtsrat entscheidet gegen Bochum

April: Direkt nach der Bochumer Ablehnung wird im Präsidium des Aufsichtsrates ein Beschluss zur Schließung von Bochum vorbereitet. In der April-Sitzung des Aufsichtsrates wird gegen die Stimmen aller Arbeitnehmer beschlossen, die Schließung von Opel-Bochum für Ende 2014 zu untersuchen und vorzubereiten. Grundlage für diesen Beschluss ist der gefälschte Kosten- und Werksvergleich aus dem Jahre 2012. Die Aufsichtsratsmitglieder Einenkel und Bresser künden juristische Schritte gegen die Entscheidung an.

Einigungsstelle eingerichtet

Mai: Opel-Vorstand und Bochumer Betriebsrat beschließen gemeinsam die Einrichtung einer Einigungsstelle. Das Unternehmen erklärt sich bereit, jetzt doch über alle Themen zur Zukunft von Opel-Bochum „ergebnisoffen“ zu verhandeln.

Schließung Werk III: Ein Missverständnis!

Mai: Die Presseabteilung von Opel verkündet die Schließung des Bochumer Ersatzteillagers (Werk III) für Ende 2014. Weiteren 450 Beschäftigten droht damit die Kündigung. Heftiger Protest und Widerstand des Betriebsrates und der Belegschaft. Drei Wochen später wird von Opel lapidar die Schließungsdrohung zurückgenommen und erklärt: „Das war ein Missverständnis der Opel-Presseabteilung!“

Opel-Vorstand schafft illegal Fakten

Mai: Der Opel-Vorstand erklärt in einer Presseerklärung, dass der Bochumer Zafira definitiv ab 2015 in Rüsselsheim gebaut wird. Diese Erklärung ist ein Verstoß gegen die Mitteilungspflichten gegenüber dem Aufsichtsrat und Wirtschaftsausschuss. Bisher gibt es keinen endgültigen Schließungsbeschluss.

Geheimpapiere und Lügen

Mai: Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Dr. Schäfer-Klug, verlangt über Pressemitteilungen den Rücktritt des Bochumer Betriebsratsvorsitzenden sowie des gesamten Bochumer Betriebsrates. Über Mittelsmänner verbreitet er in Bochum Unterlagen, die angeblich bei den Tarifverhandlungen vorlagen. Danach sollte es bei einer Zustimmung zum Tarifvertrag tausende Ersatzarbeitsplätze gegeben haben. Unternehmen und die IG Metall-NRW erklären, dass die Unterlagen des Rüsselsheimer Betriebsrates plumpe Fälschungen sind. Dann platzt der nächste Schwindel. Opel bestätigt, dass auch bei einer Bochumer Zustimmung zum Tarifvertrag die Bochumer Zafira-Produktion bereits ab 2015 in Rüsselsheim erfolgt wäre.

Opel provoziert Scheitern der Einigungsstelle

Juni: In der Einigungsstelle erklären die Vertreter des Unternehmens, dass sie auf Anweisung des Vorstandes nur noch über die Schließung von Bochum verhandeln dürfen. Um ein Scheitern der Einigungsstelle zu verhindern, wird auf Antrag des Einigungsstellenvorsitzenden vereinbart, die Einigungsstelle ruhend zu stellen und gemeinsam mit der IG Metall über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln.

Wirtschaftsausschuss ausgebremst

Juli: Die Bochumer Mitglieder im Wirtschaftsausschuss, Yaman und Müller, verlangen gemäß § 106 BetrVG ausführliche Informationen zur angekündigten Schließung des Bochumer Werkes. Das Management verweigert die Unterrichtung.

Klage gegen Werksschließung

August: Die angekündigte Klage gegen die Entscheidung des Aufsichtsrates wird vom Bochumer Betriebsratsvorsitzenden und Mitglied des Aufsichtsrates Einenkel beim zuständigen Landgericht Darmstadt eingereicht.

Getriebefertigung geschlossen

August: Die Getriebeproduktion wird nach 8 Jahren Auseinandersetzung geschlossen und durch das österreichische Werk übernommen. Für die 180 Beschäftigten werden Abfindungen, Transfergesellschaften und Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Werken vereinbart.

17 Stunden Belegschaftsversammlung

September: In Bochum findet eine 17-stündige Belegschaftsversammlung statt. Es ist die längste Versammlung in der Geschichte von Opel. Opelvorstand und Betriebsräte anderer Opel-Werke lassen sich nicht blicken. Externe Sektierergruppen verlangen, dass der Bochumer Betriebsrat zum Streik aufruft.

Eckpunkte eines Sozialtarifvertrages

November: Opel-Vorstand und IG Metall legen die Eckpunkte eines Sozialtarifvertrages fest. Opel lehnt kompromisslos ab, über die Fortsetzung der Produktion zu verhandeln.

Illegale Verlagerung nach Rüsselsheim

Dezember: In Rüsselsheim werden illegal die Produktionsanlagen für die Verlagerung des Bochumer Zafira installiert. Der Rüsselsheimer Betriebsratsvorsitzende erklärt, "Da können wir nichts gegen tun. Sonst werden die Rüsselsheimer gekündigt!“


2014

Aufsichtsrat beschließt die teuerste Schließung

März: Im Opel-Aufsichtsrat wird erneut die Schließung von Opel-Bochum behandelt und mehrheitlich beschlossen. Grundlage ist weiterhin der manipulierte Werksvergleich von 2012. GM bezeichnet die Schließung des Bochumer Werkes inzwischen als teuerste Werksschließung.

Zweidrittel Mehrheit für Liste "Einenkel / Yaman"

März: In Bochum ergeben die Betriebsratswahlen einen deutlichen Vertrauensbeweis für die bisherigen Betriebsräte. Die Liste "Wir Gemeinsam" mit den Listenführern Einenkel und Yaman erhält eine zweidrittel Mehrheit.

„Perspektive 2022“ gegründet

April: Die Gesellschaft „Bochum Perspektive 2022“ wird gegründet. Anteile: Stadt Bochum mit 51% und Opel mit 49%.

Opel droht mit Verhandlungsabbruch

April: Die Bochumer Betriebsräte in der Verhandlungskommission fordern weiterhin den Erhalt der Fahrzeugproduktion und belastbare Zusagen. Opel droht darauf mit dem Scheitern der Tarifverhandlungen: „Dann gibt es nur Abfindungen und keine Transfergesellschaft und Ersatzarbeitsplätze!“

GBR contra Bochumer Betriebsräte

Mai: Auf Antrag des Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrates werden die Bochumer Betriebsräte Yaman, Müller und Rösler aus dem GBR-Ausschuss und Wirtschaftsausschuss abgewählt.

Landgericht: Klage gegen Opel zulässig

Mai: Nach 9 Monaten findet am 27. Mai die 1. Verhandlung am Landgericht Darmstadt statt. Es geht um die Beschlussfähigkeit des Aufsichtsrates und dass dem Aufsichtsrat eine vom Gesetz vorgeschriebene und der Bedeutung notwendige Information und Beratung zur Zafira-Verlagerung verweigert wurde. Das Gericht entscheidet, dass die Klage „Einenkel gegen die Opel AG“ zulässig ist. Der Streitwert wird auf eine halbe Million Euro festgelegt. Dazu Rechtsanwalt Dr. Andreas Pentz, der den Kläger Rainer Einenkel vertritt:

"Der Verlauf des Termins zur mündlichen Verhandlung hat den Kläger in seiner Rechtsauffassung bestätigt, als Aufsichtsratsmitglied zur gerichtlichen Überprüfung von ihm als rechtswidrig eingestufter Beschlüsse nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet zu sein."

Neuer Tarifvertrag, aber keine Abstimmung

Juni: In einer gemeinsamen Veranstaltung von Opel und IG Metall wird der Opel-Belegschaft ein neuer Sozialtarifvertrag vorgelegt. Es gibt diesmal keine Abstimmung zum Tarifvertrag. Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall: „Ich will die Bochumer Belegschaft nicht ein zweites Mal über ihre eigene Schließung abstimmen lassen!“

Ersatzteillager und Ausbildung gesichert

Juli: Im Tarifvertrag wird die Absicherung des Ersatzteillagers mit 700 Arbeitsplätze bis mindestens zum Jahre 2020 vereinbart. Die Ausbildung soll zur Lernfabrik erweitert werden.

"Alles muss raus"

November: Während in Bochum voll produziert wird, startet die Firma Maynards im Auftrag von Opel mit der Versteigerung der Bochumer Anlagen. Es heißt: Alles muss raus!

Der letzte Zafira und Gerichtstermin

Dezember: Am 12. Dezember beendet Opel die Fahrzeugproduktion in Bochum. Für über 3.500 Beschäftigte des Bochumer Opel-Werkes gibt es ab sofort keine Beschäftigung. Wenige werden im Ersatzteillager oder in anderen Standorten arbeiten können. Auch tausende Beschäftigte der Zulieferindustrie und Dienstleister sind betroffen. 2.700 Opelaner wechseln in die Transfergesellschaft, arbeitslos...

Am Tag des Produktionsendes hat das Landgericht Darmstadt die nächste Verhandlung festgelegt. Es gibt kein Ergebnis. Ein neuer Termin wird vom Landgericht festgelegt.

Letzte Belegschaftsversammlung - Abschied

Dezember: Am 15. Dezember ist die letzte Belegschaftsversammlung mit 2.700 Beschäftigten. Wie üblich ist kein Vertreter des Vorstandes oder Belegschaftsvertreter anderer Opel-Standorte anwesend. "Erbärmlich, unwürdig und feige..." bewerten Belegschaft und Medien dieses Verhalten.

Für die anwesenden Kolleginnen und Kollegen ist es eine wichtige Versammlung. Unvergessen bleibt, mehr als 10 Jahre die Schließung verhindert zu haben. Es bleiben wichtige Erinnerungen über Solidarität, Gemeinschaft, Freundschaften. "Das wird uns niemand nehmen..."


2015

Landgericht: Verfahren bleibt offen

Mai: Ein möglicher Termin am Landgericht Darmstadt wird vom Landgericht auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die nächste Werksschließung

Juni: Opel stellt in Russland die Produktion und den Verkauf von Opel-Fahrzeugen ein. Das Werk in St. Petersburg wird Ende Juni geschlossen. 1.500 Menschen verlieren ihren Job.

Betriebsrats-Wahl: Betriebsrat gestärkt

Juni: Bei der Neuwahl des Betriebsrates für das Ersatzteillager und die Opel-Berufsausbildung erhalten die bisherigen Betriebsräte der Liste "Wir Gemeinsam" (Yaman/Bakenecker) die absolute Mehrheit.

Herbert Grönemeyer - Großartige Solidarität

Juni: "Guten Abend Bochum, ich begrüße alle Opelaner!" Als Zeichen der Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen von Opel hat Herbert Grönemeyer am 19. Juni zum Solidaritätskonzert eingeladen. 7.000 Freikarten gibt es von Herbert Grönemeyer für 3.500 Opelaner und LebenspartnerInnen. 30.000 Fans sind begeistert. Über 3 Stunden alte und neue Lieder, Gänsehaut, Tränen und Emotionen pur durch einen der größten Künstler Deutschlands. Das Konzert beweist erneut, dass die Menschen im Ruhrpott zusammenstehen und das Wort Solidarität im Ruhrpott wirklich gelebt wird. "Herbert, das werden wir nie vergessen.", ein Opelaner nach dem Konzert.

Eigentümerwechsel für Opel-Gelände

Juli: Ab 1. Juli ist die Gesellschaft "Bochum Perspektive 2022" neuer Eigentümer des Opel-Geländes. Ziel soll die Entwicklung des Opel-Geländes sein. Ab sollen 2017 über DHL bis zu 600 Niedriglohnarbeitsplätze entstehen. Sicher ist noch nichts. Weitere Ansiedlungen und Arbeitsplätze gibt es (noch) nicht.


(Vorläufige) letzte Worte:

Von 2.700 Kolleginnen und Kollegen von Opel in der Transfergesellschaft haben über 2.500 noch keinen neuen Arbeitsplatz.

Weitere tausende Menschen bei Zulieferern und Dienstleistern haben durch die Opel-Schließung ihre Arbeit verloren.

Zusätzliche weitere Werksschließungen in der gesamten Region. Eine gewaltige Belastung für die Menschen und die Region.

"Als die Zechen starben kam Opel. Wenn Opel stirbt, kämpfen wir gemeinsam für etwas Neues. Unsere Solidarität bleibt. Gebt eure Erfahrungen weiter. Euer Kampf war nicht umsonst."

Waltraud Ehlert (alias Kabarettistin Esther Münch) bei der Jubilarfeier der Bochumer Opelaner, Dezember 2014

"Mit der Schließung des Bochumer Werkes kann sich ab jetzt kein Opel-Werk mehr sicher fühlen."

Kollegin aus einem anderen deutschen Opel-Werk